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Kinderdorf Pestalozzi –
„Bauen wir eine Welt,
in der Kinder leben können” |
Grüezi mitenand!
Viele Grüße aus der Schweiz…
Seit neun Jahren haben Kinder aus Ungarn die Möglichkeit, im Rahmen des Projekts „Begegnung-Erholung-Bildung” in den Sommerferien einige Wochen in der Schweiz zu verbringen. In diesem Jahr verweilten mit der Unterstützung der Landesselbstverwaltung der Ungarn-deutschen und den örtlichen Deutschen
Minderheitenselbstverwaltungen vom 7. bis zum 27. Juni wieder 40 Kinder zwi-schen 10 und 14 Jahren aus 21 ungarn-deutschen Ortschaften im Kinderdorf Pestalozzi.
Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist ein Schweizer Kinderhilfswerk, das benachtei-ligten Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Bildung ermöglicht und das friedvolle interkulturelle Zusammenarbeit fördert. Von der Stiftung werden in der Schweiz, aber auch im Ausland sorgfältig ausgewählte Projekte durchgeführt und dadurch jährlich über 100.000 Kinder unterstützt.
Das Kinderdorf befindet sich in der Ost-schweiz in Trogen und wird über die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi aufrecht erhalten. Das Dorf im hügeligen Gelände (in über 900 m Höhe) wurde 1946 von Walter Robert Corti gegründet. Es umfasst eine Fläche von rund 10 Hektaren und 30 Gebäude. Pro Jahr leben hier über 6000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in 15 für die Gegend charakteristischen Schweizer Häu-sern.
Die Kinder kommen aus aller Welt ins Kinderdorf. Es ermöglicht ihnen, sich in familienähnlichen Strukturen schrittweise in der Schweiz zu integrieren, ohne ihre Herkunftskultur zu verleugnen.
Das Kinderdorf Pestalozzi verfügt nach 60 Jahren über reiche Er-fahrung im interkulturellen Zusam-menleben und in Friedensförderung. Projektwochen für Schweizer Schul-klassen gehören deshalb mit zum Angebot des Kinderdorfs. Schüle-rinnen und Schüler, vorwiegend aus deutschsprachigen Schulklassen, lernen, mit Kindern aus anderen Herkunftsländern zusammen zu leben. Sie lernen, ihre Sprachen und ihre Spiele zu verstehen. Und sich mit ihren Religionen und Weltanschauungen auseinander zu setzen. Es laufen also interkulturelle Projekte, um die eigene und fremde Kultur kennen zu lernen, um Vorurteile abzu-bauen.
Das Kinderdorf lebt vom Lachen, Singen, Springen der Kinder, von ihren Geschichten und von ihrer Zukunft. Lernen heißt hier auch Beziehungen aufbauen, sich mit Kulturen auseinandersetzen, selbständig werden.
Dies scheint bei der diesjährigen ungarn-deutschen Gruppe gelungen zu sein. Womit haben die Kinder aus Ungarn tatsächlich diese auf dem ersten Blick etwas lang erscheinenden drei Wochen verbracht?
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Ákos, Tibor, Kincsõ und József
aus Werischwar waren auch dabei
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Mit Lernen und Spielen. Das Kinderdorf sorgte nicht nur für das Gelingen der Aus-tauschprogramme mit den Schweizer Klassen, sondern auch dafür, dass die Kinder Land und Leute kennen lernen. Im Rahmen des Aus-tauschprogramms mussten die Schüler sich selbst und ihre Heimat einander vorstellen. Durch das Sportturnier, den gemeinsamen Ausflug in die Berge, das Foto- und Film-workshop, die Bemalung der T-Shirts sowie die Disko, sind die ungarndeutschen und die Schweizer Kinder einander näher gekommen und es entstanden neue Freundschaften. Durch die Straßeninterviews und die Gespräche mit den Schweizer Gruppenleitern haben sie sogar Schwitzerdütsch gelernt.
Außerdem wurden für die Gruppe aus Un-garn Ausflüge nach Zürich, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Stein am Rhein, zum Bodensee und zum Rheinfall organisiert. Bei gutem Wetter sind Wanderungen in die Berge und Strandbesuche auch nicht zu kurz gekommen.
In diesem Jahr waren am Projekt auch die Werischwarer Grundschulen beteiligt. So waren vier Schüler aus Werischwar auch im Kinderdorf. Ich habe sie über ihre Erlebnisse und Erfahrungen gefragt.
Kincsõ Varga (Német Nemzetiségi Álta-lános Iskola, 4. Klasse): Von den Programmen gefiel mir am besten der Strand in Heiden, wohin wir gemeinsam mit einer Schweizer Klasse gefahren sind. Ich halte es für eine gute Idee, dass im Kinderdorf einmal in der Woche Suppentag ist. Das damit eingesparte Geld wird in Projekte zugunsten benach-teiligter Kinder und Jugendlicher eingesetzt. Zum Beispiel Kauf von Schulbüchern, Spiel-sachen, medizinische Hilfe, Kleidung oder Nahrung.
Ákos Démuth (Német Nemzetiségi Álta-lános Iskola, 4. Klasse): Ich bin sehr glücklich, dass ich im Kinderdorf sein durfte. Die drei Wochen schienen überhaupt nicht lang zu sein, obwohl ich manchmal ein wenig Heimweh hatte. Vom Kinderdorf aus hat man einen wunderschönen Blick nicht nur auf die um-liegenden Berge, sondern auch auf den Bodensee.
József Lieber (Templom Téri Általános Iskola, 6. Klasse): Die Landschaft und die Berge gefielen mir sehr. Ich habe nun viele neue Freunde (auch aus der Schweiz), die wirklich nett sind. Hoffentlich werden wir im Briefkontakt bleiben. Die Pro-gramme fand ich super. Ich habe vor allem die Ausflüge in die Berge, zum Beispiel auf die Hohe Buche genossen. Aber der ungarndeutsche Tanzunterricht an regnerischen Vormittagen war auch nicht schlecht. Und was mir noch aufgefallen ist, die Sauberkeit, worauf in der Schweiz sehr aufgepasst wird.
Tibor Haluk (Templom Téri Általános Iskola, 6. Klasse): Ich wollte in der Schweiz andere Kulturen kennen lernen und das ist mir auch gelungen. Die Landschaft war super und die Luft herrlich. Die Aussicht vom Kinderdorf war einfach zu schön, um wahr gewesen zu sein. Ich hoffe, dass ein jeder mal das Glück haben wird, hierher zu kommen.
Die Lehrer hatten sicherlich keine leichte Aufgabe bei der Auswahl dieser vier Schüler. Ein wichtiger Aspekt war dabei, dass sie im vergangenen Schuljahr in Deutsch sehr gute Ergebnisse erreicht haben. Es wäre aber wirklich schön, wenn jeder einmal die Gelegen-heit hätte, dieses wunderschöne Land kennen zu lernen.
Ibolya Sax
Wer war Pestalozzi?
Johann Heinrich Pesta-lozzi lebte zwischen 1746 und 1827 in der Schweiz. Er gilt als Urvater der modernen kindgerechten Pädagogik. Er war ein Lehrer, der sich ganz sei-ner Aufgabe hingab und suchte in einer Zeit des Umbruchs den Weg in eine gerechtere Gesellschaft und zwar über die "Veredelung des Menschen durch die Erziehung".
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